Wissenschaftliches Schreiben – was versteht man darunter?

Das wissenschaftliche Arbeiten folgt einer strengen Methodik. In diesem Zusammenhang entscheidet das jeweilige Fach über die gebräuchliche Vorgehensweise. Das dafür zugrundeliegende Charakteristikum ist die Systematik. Fehlt diese, fehlt die erforderliche systematische Gliederung des Textes, in der das wissenschaftliche Ergebnis der Themenstellung bearbeitet wird. Dabei lassen sich beispielsweise empirische und theoretische Verfahrensweisen unterscheiden: Die auf Erfahrung und Beobachtung beruhenden Wissenschaften betreiben die Forschung unmittelbar am Forschungsgegenstand, während sich das theoretische Arbeiten an Theorien und Thesen der bereits bestehenden Literatur orientiert.

Der gelehrte Student und Doktorand an der Hochschule oder dem Forschungsinstitut schreibt in der Regel nach bestimmten Vorgaben. Meistens sind Struktur, Umfang der Arbeit und der formelle Rahmen bekannt. Abweichungen davon können die Note der Forschungsarbeit negativ beeinflussen.

Doch selbst wenn diese ersten Richtlinien bestehen, weiß der Anfänger oft nicht, wie er sich sprachlich ausdrücken soll. Auch der Schreibstil ist ausschlaggebend für das Gelingen einer guten Arbeit. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um eine Bachelor-, Master-, Doktor- oder Seminararbeit handelt – das akademische Schreiben gibt den Ton an. Wie aber schreibt der Hochschüler akademisch? Wie Sie sachlich schreiben, und welche methodischen Regeln Sie beim Verfassen Ihrer Arbeit beachten müssen, sagen wir Ihnen hier.

Wie sieht der akademische Schreibstil aus?

Wer wissenschaftlich schreibt, schreibt akademisch. Verboten sind Adjektive, die eine persönliche Wertung verraten, unstrukturierte Gedankengänge, zu lange Sätze und Füllwörter. Bei Nichtbeachtung ergibt sich ein insgesamt unsachlicher Stil, der sich nachteilhaft auf die Benotung auswirkt. Das sachliche Ausdrucksvermögen, das als Teilelement der wissenschaftlichen Arbeit gilt, spiegelt die Kompetenz des Verfassers wider. Das ist es, worauf der Korrektor u. a. achtet.

Die neutrale Formulierung des schriftlich niedergelegten Inhaltes muss zudem nicht kompliziert sein. Es ist ein Irrtum, dem viele Laien am Anfang der Studienzeit unterliegen. In erster Linie muss der Lesende die Arbeit flüssig lesen können. Kurze, prägnante Sätze in einer klar formulierten Sprache machen angeführte Argumente verständlicher. Lange Sätze und komplizierte Verschachtelungen hingegen zwingen den Leser dazu, den Textabschnitt mehrmals zu lesen. Das unterbricht den Lesefluss und das Nachvollziehen der wissenschaftlichen Beweisführung.

Besonders beliebt ist beim wissenschaftlichen Arbeiten der Nominalstil. Die Verwendung möglichst vieler Substantive mag hier Geschmackssache sein. Verboten ist das nicht. Übertrieben viel verwendet, kann das den Text aber unlebendig und starr wirken lassen. Kommen dagegen mehrer Verben zum Einsatz, darf sich der Professor über einen lebendig gestalteten und dennoch sachlichen Inhalt freuen.

Last but not least sollte der Autor seine Gedankengänge in strukturierten Sätzen niederlegen, sodass nachvollziehbare Schlussfolgerungen entstehen. Dabei steht es dem Schreiber frei, unterschiedliche methodische Wege einzuschlagen: Sowohl bei der deduktiven als auch bei der induktiven Verfahrensweise basieren die entsprechenden Schlussfolgerungen auf logischen Zusammenhängen, die strukturiert wiedergegeben werden müssen.

Wie sieht der Anfang einer wissenschaftlichen Arbeit aus?

Am Anfang steht die Themenfindung, wenn dieses nicht bereits direkt vorgegeben worden ist. Handelt es sich um das Verfassen einer Doktorarbeit, erfolgt die Findung des Themas in enger Absprache mit dem Lehrstuhl, für den das wissenschaftliche Werk verfasst werden soll. Sodann ist bei der Erstellung die Fragestellung oder die These klar herauszustellen. Nur auf diese Weise kann der Leser den Untersuchungsgegenstand unmissverständlich erfassen.

Im Anschluss erfolgt die Recherchearbeit. Ort der Recherche ist meistens die Bibliothek. Hier geht es darum, sich einen Überblick über die relevante Literatur zu verschaffen. Schon zu diesem Zeitpunkt fängt das systematische Arbeiten an. Schritt für Schritt sammelt und selektiert der Wissenschaftler Informationen, die er den jeweiligen Problemstellungen zuordnen kann. Dabei arbeitet er mit Verweisen, Markierungen und Notizen. Die ausführliche Recherche ist das Herzstück, das letztlich über die Qualität der Arbeit entscheidet.

Sind die Quellen gefunden, zugeordnet und gedanklich verarbeitet, steht die schriftliche Niederlegung in den Startlöchern. Hier kommt das anfangs genannte Charakteristikum der wissenschaftlichen Arbeit zum Ausdruck: die systematische Gliederung des Textes. Der Aufbau sollte hierfür logisch sein. Was ist das Ziel der Arbeit? Welche Argumente sind in welcher Reihenfolge anzuführen?

Die eigentlich Erstellung steht an, und die ersten Formulierungen kreisen im Kopf die ersten Schleifen. Damit keine Endlosschleifen entstehen, sollte sich der Verfasser auf eine präzise und punktgenaue Formulierung konzentrieren. Auf der einen Seite darf er sich nicht in Details verrennen, auf der anderen Seite sollte er nicht ausschweifend werden. Wer sich stets auf die Fragestellung konzentriert und das Ziel nicht aus den Augen verliert, hat als Anfänger gute Chancen, den richtigen wissenschaftlichen Pfad zu betreten.

Wieso braucht die wissenschaftliche Arbeit Quellenangaben?

Zu einer wissenschaftlichen Arbeit gehört in jedem Fall die Angabe der verwendeten Quellen. Diese dürfen niemals fehlen. Sie werden üblicherweise im Literaturverzeichnis verortet. Sie sind es, die den Hintergrund der Arbeit liefern und das Werk überhaupt erst wissenschaftlich machen.

Auch innerhalb der Arbeit arbeitet der Autor des Textes mit bestimmten Angaben in den sogenannten Fußnoten. Hier geht es um das richtige Zitieren. Die Standards und Techniken von wissenschaftlichen Darlegungen können jedoch sehr unterschiedlich sein. Den Standards und Techniken ist gemeinsam, dass sie zitierfähige Quellen beinhalten. Der Leser muss den zitierten Inhalt aus Büchern, Dissertationen, Zeitschriftenaufsätze und Gesetzestexten also überprüfen können. Dies kann er nicht, wenn es sich um Quellen handelt, die der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Gleiches gilt u. U. für Werke, die nur schwer zu beschaffen sind. Wenn sich daraus zitieren lässt, dann nur bedingt. Wer auf Nummer sicher gehen will, nutzt ausschließlich überprüfbare Literatur.

Ist der richtige Zitierstandard gewählt, muss der Student auf die innere Einheitlichkeit achten. Es dürfen keine Standards gemischt verwendet werden, auch muss jeder Punkt und jedes Komma immer an der gleichen Stelle gesetzt werden. Die Reihenfolge von dem Titel der Quelle, dem Autor, die Seitenzahl und die Jahresangabe sind auch immer gleich zu setzen. Die richtige Reihenfolge gibt der verwendete Zitierstandard vor.

Warum ist der formelle Rahmen so wichtig?

Wer zum ersten Mal eine wissenschaftliche Arbeit schreibt, tendiert oft dazu, die formellen Aspekte der Arbeit zu unterschätzen. Besonders beim Zitieren von Quellen wird häufig geschludert. Doch das sieht ein Professor nicht gern. Ist der Inhalt noch so gut geschrieben, kann das fehlerhafte Zitieren und das Fehlen von Quellenangaben die Arbeit in den Abgrund reißen. Selbiges gilt für die einwandfreie Wiedergabe des Inhalts- und des Literaturverzeichnisses. Die erforderlichen Angaben dürfen nicht fehlen. Sie sind das Fundament des wissenschaftlichen Werkes.

Legen Sie bei der Erstellung einer Master- oder Doktorarbeit nicht nur Wert auf den Inhalt. Der Hauptteil dient zwar der Beweisführung und der Darlegung eigener Ergebnisse. Ihre Arbeit muss jedoch als Ganzes eine Einheit bilden, in der die methodischen Elemente sich in richtiger Weise ergänzen. Sinnvoll ist es deshalb, mit einer Checkliste zu arbeiten hinsichtlich der formell und der inhaltlich zu erfüllenden Kriterien, damit Sie nichts vergessen.

Die Erstellung einer Doktorarbeiten kann manchmal Jahre dauern. Wenn der Professor dann bestimmt, dass bald Schluss sein muss, läuft der Verfasser Gefahr, in der Eile den formellen Rahmen zu vernachlässigen. Das kann auch Profis passieren. Eins stetiges Vergegenwärtigen aller wissenschaftlichen, methodischen Elemente ist während der Erstellung unabdingbar. Der Student sollte das von Anfang an berücksichtigen.

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