Ghostwriting – was ist das und wofür nutzt man es?

Nie zuvor standen Menschen so unter Zeitdruck wie heutzutage. Seminararbeiten und wissenschaftliche Abhandlungen sollen am besten sofort abgegeben werden. Wissen soll stets und überall verfügbar sein und am besten für alle Zeiten gespeichert werden. Doch was tun, wenn der Terminplan zu voll ist, der Seminarleiter aber bereits Druck macht, weil noch nicht einmal die Rohfassung der Hausarbeit angefertigt wurde? Die Lösung für dieses Problem könnte ein Ghostwriter sein.

Was ist Ghostwriting?

Das englische Wort Ghostwriting bedeutet wörtlich Geisterschreiben. Ein Ghostwriter ist jemand, der im Auftrag eines anderen einen Text verfasst, sei es ein wissenschaftlicher oder literarischer Text. Hierbei erfolgt in der Regel weder eine Namens-, noch eine Urhebernennung. Ein Ghostwriter tritt also mit Vollendung des Textes und Übergabe desselben sämtliche Rechte an seinem Werk ab.

Schon im antiken Griechenland war das Ghostwriting bekannt, damals noch unter dem Begriff Logographie. Ghostwriter wurden Logographen genannt. Es wurden vor allem Reden verfasst. Bürger, die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren, sich jedoch vor Gericht verteidigen mussten, konnten einen Ghostwriter engagieren, der ihnen dann eine Verteidigungsrede schrieb. Auch Politiker machten von Logographen Gebrauch.

Heutzutage gibt es sogar Agenturen, die Ghostwriter vermitteln. Diese widmen sich dem Verfassen unterschiedlichster Texte und werden daher nicht nur von aufstrebenden Literaten, sondern auch von Politikern, Geschäftsleuten, Wissenschaftlern und Studenten engagiert. Sie erstellen Glossare, verfassen Reden und Geschäftsbriefe und schreiben Seminararbeiten. Aber auch viele Werbetexte entstehen auf diese Weise.

Der Begriff Ghostwriter ist nicht rechtlich geschützt, was bedeutet, dass er von jedem, auch ohne entsprechende Ausbildung, verwendet werden darf. Daher sollte man sich, bevor man einen Ghostwriter unter Vertrag nimmt, gut über diesen informieren und sich gegebenenfalls Textproben zukommen lassen.

Ghostwriting – beliebt wie nie

Vor allem im letzten Jahrzehnt wurde das Ghostwriting, gerade im wissenschaftlichen Bereich, immer beliebter. Mit fortschreitender Amerikanisierung des deutschen Hochschulsystems bleibt Studenten immer weniger Zeit für Haus- und Seminararbeiten, weshalb sie zum Teil Ghostwriter engagieren.

Auch Wissenschaftler, die ihre Zeit lieber in ihre Arbeit investieren statt in Publikationen, nehmen häufig Ghostwriter unter Vertrag. Diese erhalten dann eine Liste mit Stichworten zum jeweiligen Thema, müssen jedoch die Recherchearbeiten in Eigenregie erledigen.

Bekannte Persönlichkeiten nutzen oft Ghostwriter, um (Auto-)Biographien verfassen zu lassen. Rechtlich gesehen ist Ghostwriting, zumindest im hochschulischen Bereich, jedoch ein etwas heikles Thema.

Rechtliches zum Ghostwriting

Grundsätzlich geben Ghostwriter das Recht an ihrem Text ab und verschweigen ihre Urheberschaft. Somit ist es im Grunde für den Auftraggeber nicht schwer, den fremden Text als seinen eigenen auszugeben. Gerade bei von Ghostwritern verfassten Studienarbeiten können sich, rechtlich gesehen, jedoch nicht unerhebliche Probleme ergeben.

2009 erging ein Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt, in dem die grundsätzliche Legalität des Ghostwritings festgestellt wurde. Dies gilt insbesondere auch für den hochschulischen Bereich, jedoch nur für kurze Essays, Zusammenfassungen, Rohfassungen von Seminar-, Diplom- und andere Abschlussarbeiten sowie stichwortartige Listen für Reden und Präsentationen. Das Ghostwriting an sich sei als schlichte Dienstleistung anzusehen.

Anders sieht es jedoch bei der komplett fertigen Fassung von Seminar-, Haus- und Abschlussarbeiten aus: Schreibt sich eine Person an einer Hochschule als Student ein, geht er mit dieser einen bindenden Vertrag ein. Dieser umfasst auch die Versicherung, dass die eingereichten, als Bewertungsmaßstab dienenden schriftlichen Arbeiten vom Studenten selbst angefertigt werden müssen. Reicht dieser also den Text einer fremden Person ein und gibt diesen als seinen eigenen aus, drohen ihm Konsequenzen wegen Falscher Versicherung an Eides statt. Eine dieser möglichen Konsequenzen ist sogar die Exmatrikulation. Doch wie sieht es mit dem Ghostwriter selbst aus?

Rechtliche Konsequenzen für den Ghostwriter

Ein Ghostwriter macht sich im hochschulischen Bereich nur dann strafbar, wenn er eine vollständige Arbeit verfasst, die ohne Änderungen eingereicht wird und als Arbeit des Auftraggebers gilt – und wenn er als Urheber davon Kenntnis hat. Dies muss ihm als fester Vorsatz nachgewiesen werden. Der Text des Ghostwriters darf dem Studenten also höchstens als Vorlage für eine eigene Arbeit dienen. Können dem Ghostwriter Kenntnisse vom Gegenteil nachgewiesen werden, drohen auch ihm rechtliche Konsequenzen.

Allerdings ist es sehr schwer, dem Ghostwriter einen Vorsatz nachzuweisen. Seit mehreren Jahren machen sich Hochschulen im Übrigen für ein vollständiges Verbot des Ghostwritings im akademischen Bereich stark. Der DHV, der Deutsche Hochschulverband, setzt sich sogar für die Einführung eines neuen Straftatbestands ein, den sogenannten Wissenschaftsbetrug.

Rechtlich abzugrenzen ist dies übrigens vom Plagiat. Während beim Ghostwriting das Recht am Text auf den Auftraggeber übergeht – was nur in einigen Fällen illegal ist –, stellt das Plagiieren in jedem Fall eine Urheberrechtsverletzung dar und ist somit strafbar.

Anforderungen an den Ghostwriter

Ghostwriter werden kann jeder, denn es gibt weder eine fachliche Ausbildung, noch ein Studium dazu. Allerdings sollten Ghostwriter bestimmte Fähigkeiten mitbringen. Dazu gehören eine einwandfreie Stilistik, die Fähigkeit zu genauer und umfassender Recherchearbeit sowie die Fähigkeit, wissenschaftlich zu zitieren.

Auch was die sprachliche Korrektheit angeht, sollte ein Ghostwriter genauestens arbeiten. Allerdings ist es selbstverständlich möglich – und in den meisten Fällen auch angeraten –, nach Abschluss eines Textes durch einen Ghostwriter noch ein Korrektorat sowie ein Lektorat durch einen erfahrenen Lektoren durchführen zu lassen.

Für den Ghostwriter kann es nach Einreichen eines Textes mitunter schwierig sein, nicht zu wissen, was genau mit seinem Text geschieht oder wie sein Text beim Kunden angekommen ist. Manche Agenturen bieten daher die Möglichkeit, einen Ghostwriter – der weiterhin anonym bleibt – zu bewerten.

Kosten für einen Ghostwriter

Die Kosten für einen Ghostwriter weisen eine enorme Spanne auf und reichen vom niedrigen dreistelligen Bereich bis weit in den vierstelligen Bereich. Der Preis ist abhängig von verschiedenen Faktoren wie dem Ruf des Ghostwriters bzw. der vermittelnden Agentur, der Art und dem Umfang des zu verfassenden Texts sowie dessen Zweck.

Einen Ghostwriter unter Vertrag zu nehmen ist für Menschen, die rhetorisch oder literarisch nicht ganz so gewandt sind oder über wenig Zeit verfügen eine gute Möglichkeit, mit einem einwandfreien Text oder einer passgenauen Rede zu punkten. Allerdings sollte man sich vor einem Engagement in jedem Fall eine Textprobe oder eine Liste mit Referenzen zukommen lassen und prüfen, ob der Einsatz des Ghostwriters rechtlich gesehen einwandfrei ist.