Biologische Schädlingsbekämpfung durch natürliche Feinde

Das Prinzip biologischer Mittel gegen Schädlinge ist sehr einfach. Die Wirkung wurde in der Vergangenheit bereits vielfach bewiesen. Hierbei werden die biologischen Feinde (Gegenspieler = Antagonisten) der jeweiligen Schädlinge eingesetzt. Diese Art Nützlinge dienen dazu, um den Befall mit Schädlingen einzugrenzen und/oder auf ein Minimum zu reduzieren. Dies geschieht entweder durch Parasitieren oder Fraß, sodass sich Schädlinge nicht mehr vermehren können. Zur Bekämpfung bestimmter Material- und Vorratsschädlinge haben sich spezielle Schlupfwespen-Arten während vieler Jahre sowie an unterschiedlichen Objekten bewährt.

Chemischer Pflanzenschutz birgt Gefahren für Natur und Menschen

Egal ob angefressene Pflanzen oder Blattläuse im Blumenbeet, Schädlinge sind stets ärgerlich. Gleichzeitig erhalten Gärtner dadurch jedoch einen dringenden Hinweis darauf, dass die Pflanzen einen gewissen Mangel aufweisen und sich selbst nicht wehren können. Eventuell sind die Lebensumstände nicht ausgewogen oder es besteht eine Erkrankung.

Damit ein gesunder Garten entsteht, sollten die Ursachen des Befalls beseitigt werden, nicht allein die Symptome. Dies bedeutet im Besonderen die Schädlinge zu vertreiben. Pestizide sind dabei keine langfristige Lösung. Etliche Inhaltsstoffe sind unter anderem für Menschen, Wasserlebewesen und Insekten gefährlich. Werden Pestizide leichtfertig und unsachgemäß eingesetzt, können zum Beispiel Frösche und Bienen schneller absterben. Zudem wird das Grundwasser vergiftet und die Ernte aus dem Garten extrem belastet. Aus diesen Gründen ist die insektizidfreie Schädlingsbekämpfung eine exzellente wirtschaftliche Alternative.

Die Vorteile biologischer Schädlingsbekämpfung

Im Rahmen konventioneller Schädlingsbekämpfung müssen die Substanzen/Insektizide zum Schädling geführt werden. Bei einem fachgerechten und gezielten Einsatz der Nützlinge finden diese den Schädling selbst. Der größte Vorteil ist dabei, dass hierbei keinerlei chemische Rückstände entstehen. Resistenzen bauen sich naturgemäß ebenfalls nicht auf. Dazu kommt noch, dass dieses Verfahren unkompliziert ist und weder im noch am Objekt Veränderungen erfordert. Pflanzen können auch während der Behandlung mit Nützlingen ohne Einschränkungen genutzt werden, da die eingesetzten Nützlinge keine Gefährdung darstellen.

Sind Schädlinge reduziert und/oder vernichtet, entsteht trotz vieler Befürchtungen kein Befall durch restliche Nützlinge. Denn Parasitoide benötigen für ihr Überleben Wirtstiere. Sind diese jedoch nicht mehr ausreichend vorhanden, sterben auch die Nützlinge ab.

Schlupfwespen bei Mottenbefall einsetzen

So sind zum Beispiel Schlupfwespen natürliche Feinde von Motten. Bei der kleinen Wespe (lat. Trichogramma) handelt es sich um einen Parasiten, der seine eigene Brut in die Eier von Motten legt (egal ob Lebensmittelmotte oder Kleidermotte). Der Lebenszyklus der Schädlinge wird dadurch unterbrochen.

Menschen genießen durch den Einsatz von Schlupfwespen nur Vorteile. Durch ihre minimale Größe werden diese Nützlinge normalerweise nicht bemerkt. Sie verursachen keine Geräusche, fliegen nicht durch die Räume und stechen nicht. Ihre Lebensdauer beträgt lediglich einige Tage. Sobald die Motteneier dezimiert sind, verschwinden auch die kleinen Nützlinge. Schlupfwespen entweichen entweder durch Fenster oder zerfallen zu winzigen Staubmengen, die sich durch Staubwischen oder Saugen einfach entfernen lassen.

Anwendung und Wirkung der Schlupfwespen

Bei Schlupfwespen handelt es sich um Parasiten, die mit einem langen Legestachel ausgestattet sind. Ist ein Mottenei entdeckt, bohrt sich der Stachel hinein und platziert dort die eigenen Eier. Die kleinen Wespenlarven wachsen heran und fressen dabei das Mottenei. Ist die neue Schlupfwespe ausgewachsen, macht sie sich an weitere Motteneier heran und parasitiert diese ebenfalls. Dabei entwickeln diese Trichogrammen ein sicheres Gefühl dafür, wo sich die Schädlinge verstecken.

Inzwischen lassen sich Schlupfwespen online bestellen. Sie kommen dann auf kleinen Pappkarten per Post. Viele Anbieter ziehen heutzutage die kleinen Nützlinge in Brutkästen mit Motteneiern heran. Die Eier der Schlupfwespen werden anschließend auf den Karten platziert und normalerweise so verschickt, dass die Nützlinge ausschlüpfen, wenn der Kunde sie erhält. Das Schlüpfen geschieht in einem Zeitrahmen von etwa 14 tagen bis zu 3 Wochen. Nach 3 Wochen müssen neue Kärtchen ausgelegt werden. Diese kommen ebenfalls pünktlich per Post an.

Schlupfwespen müssen in ihrer Anwendung an den Lebenszyklus der jeweiligen Motte angepasst werden. Dieser ist bei Lebensmittelmotten etwas kürzer als bei Kleidermotten. Bei Letzterer sollte die Behandlung ungefähr 15 Wochen dauern. Bei Lebensmittelmotten sind circa 9 bis zu 12 Wochen normalerweise ausreichend.

Apfelwickler biologisch bekämpfen

Um den lästigen Apfelwickler mit biologischen Mitteln zu bekämpfen, können Verbraucher unterschiedliche natürliche Feinde einsetzen. Hierzu gehören beispielsweise Schlupfwespen, Wanzen und Ohrwürmer. Des Weiteren lässt sich das Baculo-Virus gegen Apfelwickler nutzen. Ideal ist jedoch die Kombination unterschiedlicher Mittel. Letztendlich werden die Larven des Schädlings auch von Vögeln gerne gefressen.

Um den Apfelwickler zu bekämpfen, lassen sich mehrere Arten der Schlupfwespen nutzen. Dies sind beispielsweise Hyssopus pallidus und Elodia tragica sowie Ascogaster quadridentatus und Trichogramma enecato. Um den genauen Befall zu bestimmen werden vorab Phermonfallen sowie eine professionelle Beratung empfohlen.

Um den Schädling zu bekämpfen werden Pappkärtchen mit Schlupfwespen ausgebracht, die in parasitierten Wirtstieren wie beispielsweise Getreidemotteneiern heranreifen. Die Produkte erhalten Verbraucher hauptsächlich online. Nach Schlupf der Wespenlarven beginnen diese die Larven Schädlinge aufzufressen. Ist die Schlupfwespe ausgewachsen, sucht sie nun selbst neue Apfelwickler und der Prozess beginnt von vorn.

Eichenprozessionsspinner mit natürlichen Feinden dezimieren

Für den Eichenprozessionsspinner hält die Natur etliche natürliche Feinde bereit. Manche zeigen ihre Wirkung allerdings erst nach einigen Jahren. Besonders wirkungsvoll sind dabei Raupen-/Eiparasiten wie beispielsweise Schlupfwespen und Raupenfliegen. Diese Nützlinge können den Schädling während der Endphase einer Massenvermehrung enorm dezimieren. Räuberische Käfer wie zum Beispiel der Kleine und der Große Puppenräuber zeigen sich bei großer Schädlingsdichte häufig, vernichten den EPS (Eichenprozessionsspinner) allerdings weniger. Unter den Vögeln sind es vor Allem der Pirol und Kuckuck, die die giftigen Raupen angreifen.

Mikro-Organismen als ökologische Schädlingsbekämpfung

Um Schädlinge zu dezimieren haben sich seit geraumer Zeit auch immer mehr unterschiedliche Mikro-Organismen, wie beispielsweise Bakterien, Viren und Pilze sowie Kleinstlebewesen zur biologischen Bekämpfung der Schädlinge bewährt. Speziell im Freiland-Anbau ist diese Alternative zielgenau zu nutzen. Nachfolgend einige Beispiele:

  • Gegen Trauermücken, Dickmaulrüssler und Kirschfruchtfliege sind Nematoden (Steinernema) wirksam.
  • Bei Stechmücken eignet sich Bacillus thuringiensis israelensis.
  • Befall von Trauermücken, Weißer Fliege und Läusen ist mit Pilz Verticillium lecanii / Lecanicillium muscarium zu bekämpfen.
  • Diverse Wicklerarten wie beispielsweise der Apfelwickler können mit Granulose-Viren dezimiert werden.
  • Schädlinge wie unter anderem Kohlweißling, Frostspanner und Eichen-Prozessionsspinner sowie Kartoffelkäfer und Buchsbaumzünsler lassen sich mit Bacillus thuringiensis bekämpfen.

Fazit

Nicht jedes Schädlingsproblem im Garten oder Haus lässt sich allein durch biologische Bekämpfung komplett lösen. Allerdings lassen sich sehr oft chemische Mittel/Gifte vermeiden und durch biotechnische, physikalische und mechanische Methoden ersetzen. Besonders die Kombination verschiedener Maßnahmen macht Gifte auf Pflanzen überflüssig.

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